Angesichts der Vorkommnisse der letzten Wochen, bietet sich für meine aktuelle Kolumne ein Thema an, dass ich in einer vergangenen Ausgabe schon einmal angerissen habe: Das Verhältnis der verschiedenen regionalen Märkte in Hinblick auf Computerspiele.
Vorab möchte ich gleich sagen, dass ich keinerlei persönliche Abneigung gegenüber Asien habe, ganz im Gegenteil. Ich finde, die Begeisterung dieser Menschen für Computerspiele tut nicht nur den Unternehmen, sondern auch der Community als Ganzem gut, speziell, wenn man die hierzulande laufende populistische Diskussion über die Auswirkung von Spielen bedenkt.
Würde ein deutscher Politiker jedoch seinen Blick nach Asien richten, müsste er verzweifeln - Spieler werden vergöttert, Entwickler bejubelt, und eine römische 2 hinter einem bekannten Markennamen führt zu Jubelstürmen tausender. Im Vergleich dazu nehmen spielen wir Europäer in einer ganz anderen Liga. Wie gesagt, ich würde nicht behaupten, dass ich ebenso reagiere, aber es heißt nicht umsonst "Andere Länder, andere Sitten". Als Deutscher betrachte ich es mit, sagen wir, "wohlwollender Belustigung". Es schadet jedenfalls niemandem, wenn man Begeisterung für sein Hobby auslebt.
Was mich jedoch bedenklich stimmt, ist das daraus resultierende Handeln von Herstellern und Publishern. Gerade in Bezug auf Hellgate: London zeichnet sich schon seit langem eine klare Tendenz in Richtung der Bevorzugung des asiatischen Publikums ab. Klar, Flagship war auch auf der Games Convention in Leipzig, aber wer unsere News aufmerksam verfolgt, wird sicherlich gemerkt haben, dass sie deutlich öfter auf diversen Messen in Asien waren, obwohl die GC gemeinhin als wichtigste Spielemesse gilt.
Man merkt auch an anderen Kleinigkeiten, wie wichtig diese schiere potenzielle Käuferzahl östlich von uns ist - Wo werden die großen Ankündigungen gemacht? Wo werden die lustigen Werbegags umgesetzt? Richtig, in Asien. Ich gebe zu, an dieser Stelle bin ich neidisch. Ich möchte auch mal einen Kleinwagen mit Hellgate-Lackierung herumfahren sehen, oder in Freude jubeln, wenn mir gesagt wird "Wir starten die Beta bei Euch!". Auch in Sachen Internet erkennt man die Unterschiede. Wer einen Blick auf die kürzlich überarbeitete offizielle Hellgate: London Page für Japan wirft (oder auch auf andere asiatische Hellgate-Seiten), wird sofort merken, dass hier mit mehr Aufwand gearbeitet wird. Diese leckeren Animationen, die tollen Grafiken...im Vergleich wirkt die englischsprachige Seite eher...langweilig.
Ich kann nur für den deutschen Markt sprechen, den ich selbst beobachte, aber ich fände es toll, auch mal wieder in den Genuss von etwas exklusivem zu kommen, sei es eines Besuchs, einer Internetseite, oder auch gerne eines lackierten Kleinwagens als Werbegeschenk ;) Man kann an dieser Stelle sagen, der Community Day sei so etwas gewesen, jedoch ist der Vergleich angesichts der zahlreichen Projekte in Asien dennoch eher ungünstig.
Trotz allem verstehe ich auch Flagship oder Blizzard. Wo Millionen statt hunderttausende potenzielle Kunden sind, ist natürlich mehr zu holen - Somit muss man da auch mehr investieren. Wo die Leute nicht für ihr Hobby verteufelt werden, da würde ich mich auch wohler fühlen. Trotzdem: Bitte, werft uns auch einen Happen hin, Flagship!