Nach wieder einmal langer Wartezeit, sowohl zum Teil aufgrund von Abwesenheit, als auch wegen des inzwischen abgeschlossenen Seitenupdates, setze ich heute meine Kolumne "To be done?" fort, und kann auch gleich thematisch aus den Vollen schöpfen.
Mit der Ankündigung des Gebührenmodells ist ja wirklich ein Aufschrei durch die Reihen der Spieler gegangen - Die Kritiker sagten "Oh mein Gott, wir nicht-zahlenden sind Spieler zweiter Klasse!", während die MMOG'ler größtenteils der Meinung sind, dass Gebühren nötig sind, um gute Server und guten Support, in all seinen Formen, zu bekommen.
In allen Foren geht die Diskussion heiß her, während Flagship, meist in Person von Bill Roper, darum bemüht ist klarzustellen, dass es zu keiner Klassengesellschaft kommen wird - Marx lässt grüßen. Mein Eindruck ist, dass viele Spieler jedoch zu verwöhnt von Diablo 2 sind. Ohne jemanden angreifen zu wollen, Fakt ist, dass das Battle.net in seiner Form einzigartig war. Aber es war eben auch kein echtes MMOG. Wer sagt "Das BNet war doch auch kostenlos, warum soll ich für Hellgate zahlen?" missversteht die Entwicklung - Was bot und bietet das Battle.net denn wirklich? Richtig, es ist im Prinzip ein grafisch aufgemotztes IRC und ein Interface zur Erstellung limitierter Multiplayerspiele, aber mehr auch nicht.
Wenn, ich betone, wenn Hellgate ein "echtes" MMOG sein soll, also kein "aufgesetzter" Multiplayer wie im Urahn, dann ist der nötige Aufwand deutlich größer, als Spieler miteinander chatten zu lassen. Um genau zu sein, außer dass beides Server braucht haben sie nichts gemein - Und die Finanzierung der Server war in einer Firma wie Blizzard, die zu der Zeit unendlich erfolgreich war, auch deutlich leichter, als in einem neu gegründeten Projekt.
Es wurde ja schon oft angesprochen, was alles im Spiel sein soll. Gilden, Auktionshaus, instanzierte Levels für Gruppen, gemeinsame Treffpunkte in U-Bahnstationen... Klingelt es? Genau, all das gab es in Diablo 2 nie. Die Spieler haben diesen Mangel kreativ umgangen, sei es durch Verwendung von Tags in Accountnamen, oder durch stark besuchte Handelsforen mit manuell geführten Auktionen. Aber seitens des Herstellers gab es diese Funktionen nie. Deshalb plädiere ich dafür, Flagship Respekt zu zollen, dass sie gelernt haben, was der Kunde möchte, und dass sie bereit sind, das immense Risiko heutiger Spielentwicklung (es geht hier immerhin um Millionen von Dollar) zu tragen, um all das bieten zu können.
Dass jeder, ob zahlender oder nicht zahlender Kunde, mitspielen kann, ist eben nicht der Normalfall, sondern ein bewundernswerter Bonus, der mir allen Respekt abverlangt. Wir, die Spieler, sollten nur endlich von dem Gedanken abkommen, dass dies "normal" sei - Es ist ein Bonus! Normal ist, dass man für MMOG's zahlt.
Weg vom lieben Geld, rein in die Politik (sofern denn dies überhaupt so zu trennen ist). Im aktuellen Spiegelfindet sich das Thema "Kinder und Jugendliche im Umgang mit Medien" auf der Titelseite. Zwar behandeln die Kollegen es deutlich reifer, als zum Beispiel das berühmt-berüchtigte Frontal 21 (diese Sendung bekam übrigens eine hohe Auszeichnung für, ich zitiere sinngemäß, "kritischen und gut recherchierten Journalismus" - Ein Schelm, wer da was Böses denkt), aber auch leider, mangels Sachkenntnis, nicht ausführlich oder intensiv genug. Dennoch muss man positiv anmerken, dass das Magazin um Beleuchtung aller Seiten bemüht ist, denn auch z.B. ein Vorstandsmitglied von Hellgate-Publisher EA kommt zu Wort.
Ohne diese Diskussion komplett neu aufrollen zu wollen, Fakt ist, dass es in Politik und Medien an Sachkenntnis fehlt. Wer den Anspruch erhebt, richtigen Journalismus zu betreiben, muss immer alle Seiten der Medaille betrachten (man erkennt, dass bestimmte Blätter damit per Definition ausgeschlossen sind). Was mir an dieser Stelle nicht einleuchtet: Es gibt Medien, die sich tagein, tagaus, mit nichts anderem als der Spieleindustrie beschäftigen, aber werden diese als Quelle, oder zumindest als eine mögliche Quelle genutzt? Nein, nur in sehr seltenen Fällen. Dabei würde jedem, der Google halbwegs beherrscht, auffallen, wieviele Leute gute Arbeit in diesem Bereich leisten. Hier wird Sachkenntnis leider nicht genutzt - Liebe Medien, fragt doch einfach mal an, wir helfen euch gerne, die Wissenslücken zu füllen!
Manchmal glaube ich, dass versucht wird, den Teufel mit dem Belzebuub auszutreiben - Die MEdienschelte wird schließlich durch Medien vorgetragen. Alleine diese Ironie sollte Leuten wie Herrn Beckstein zu denken geben.
Übrigens, wer gerne mal, aufgrund einer Überschwemmung durch Becksteins und andere radikale Vertreter ohne Sachkenntnis, wirklich gut recherchierte und neutrale Arbeiten zum Thema lesen möchte, dem empfehle ich die Werke von Dr. Waldemar Vogelgesang. Er setzt sich seit langem auf hohem Niveau mit dem Phänomenen Jugend und Medien auseinander, und das auf eine kritische, aber fundierte Weise.